Der unter Druck stehende „60 Minutes"-Chefredakteur Nick Bilton versuchte, die Wogen bei dem populären Nachrichtenmagazin von CBS zu glätten, indem er einem beliebten Chefredakteur anbot, seinen Job zurückzubekommen – nachdem dieser von CBS-News-Chefin Bari Weiss entlassen worden war – und wurde dabei abgewiesen.
Laut dem Medienbeobachter Status wandte sich Bilton – darum bemüht, das Schiff nach Weiss' verheerender Entlassungswelle wieder auf Kurs zu bringen – an Draggan Mihailovich, um die Wunden zu heilen, die die Mitarbeiter als „Schwarzen Donnerstag" bezeichnet hatten.
Die Massenentlassungen an jenem Tag entfachten einen öffentlichen Sturm der Entrüstung gegen den Sender und schürten Befürchtungen, die Sendung könnte im Herbst nicht zurückkehren.
Bilton signalisierte zunächst Offenheit für eine Versöhnung. Letzte Woche schickte er ein Memo, in dem er die verbliebenen Korrespondenten der Sendung – Lesley Stahl, Bill Whitaker und Jon Wertheim – als „Kernelemente" des Programmerfolgs lobte. Er ernannte Maria Gavrilovic, eine hoch angesehene Produzentin, die jahrelang eng mit Scott Pelley zusammengearbeitet hatte, zu seiner Stellvertreterin. Und er versprach der aufgewühlten Belegschaft: „Wir werden niemals vom Eigentümer des Unternehmens angewiesen", welche Geschichten sie verfolgen sollen.

Laut Status-Gründer Oliver Darcy wurde Bilton von Stahl und Wertheim ermutigt und fragte, ob Mihailovich eine Rückkehr in Betracht ziehen würde. Der Schritt würde die Zustimmung von Weiss erfordern, doch Bilton signalisierte echtes Interesse daran, den angesehenen Chefredakteur zurückzuholen.
Mihailovich lehnte ab.
Dem Bericht zufolge verdeutlicht seine Weigerung das Ausmaß des institutionellen Schadens, den Weiss' Entlassungswelle angerichtet hat.
Noch beunruhigender berichtet Darcy, dass Weiss' Einmischung noch lange nicht vorbei zu sein scheint. Status berichtete, dass Weiss diese Woche ein Treffen mit Bilton abgehalten habe, um Geschichtsideen für „60 Minutes" zu entwickeln – ein klares Zeichen dafür, dass ihre Einmischung in redaktionelle Entscheidungen trotz Versprechen der Autonomie andauert.
„60 Minutes" hat innerhalb von CBS seit langem mit ungewöhnlicher Unabhängigkeit operiert – eine Grenze, die von Korrespondenten und Produzenten vehement verteidigt wird", so Status.
„Berichten zufolge kündigte der frühere Chefproduzent Bill Owens, als er das Gefühl hatte, dass die Einmischung des Unternehmens unter der damaligen Chefin Shari Redstone unerträglich geworden war. Wenn Weiss weiterhin in redaktionelle Entscheidungen eingreift, widerspricht dies direkt den Zusicherungen, die CBS-Eigentümer David Ellison Stahl hinsichtlich der Autonomie des Programms gemacht hatte."