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Argentiniens Kongress nimmt Beschäftigten das Recht auf digitale Wallet-Einzahlungen

2026/02/14 17:00
3 Min. Lesezeit

Argentinische Fintech-Unternehmen hatten sich gefreut, dass erstmals Arbeitnehmer ihr Gehalt auf virtuelle Wallets einzahlen könnten. Allerdings haben Kongress-Abgeordnete diese Regel gestrichen, was viele als Vorteil für den klassischen Bankensektor sehen.

Bei den Verhandlungen, um das Gesetz umfassend zu unterstützen, hat die Partei von Präsident Javier Milei zugestimmt, den Artikel zu streichen. Umfragen zeigen jedoch, dass die meisten Argentinierinnen und Argentinier selbst entscheiden möchten, wohin ihr Gehalt eingezahlt wird.

Misstrauen gegenüber Banken fördert Wallet-Nutzung

Laut aktuellem argentinischem Gesetz müssen Arbeitnehmer ihr Gehalt auf klassische Bankkonten einzahlen. Dennoch ist die Nutzung von digitalen Wallets in Argentinien in den letzten Jahren stark gestiegen. 

Das liegt unter anderem daran, dass viele Menschen keinen Zugang zu Banken haben. Eine Umfrage der Zentralbank aus 2022 zeigt: Nur 47 Prozent der Argentinier besitzen ein Bankkonto. Das kommt meist daher, dass viele den klassischen Banken nicht vertrauen.

Seit Jahrzehnten gibt es in Argentinien Finanzkrisen. Dazu zählen das Einfrieren von Bankeinlagen im Jahr 2001 („corralito“), dauerhafte Inflation und wiederkehrende Einschränkungen beim Zugang zu Geld. Das Vertrauen in Banken sinkt deshalb immer weiter, weshalb viele ihr Geld in bar oder in US-Dollar sparen.

Als Reaktion auf diese Probleme haben Fintech-Anbieter eigene digitale Wallets auf den Markt gebracht. Diese werden nicht von Banken betrieben, sondern von unabhängigen Zahlungsdiensten. So erhalten auch mehr Menschen in Argentinien Zugang zu Finanzdienstleistungen.

Apps wie Mercado Pago, Modo, Ualá und Lemon gehören heute zu den beliebtesten Plattformen. Viele Menschen, die kein klassisches Bankkonto haben, nutzen diese Anwendungen als ihren ersten Weg zu digitalen Finanzdienstleistungen.

Deswegen haben sich die Chefs der Fintechs gefreut, dass in dem Gesetz vorgeschlagen wurde, Gehälter direkt auf virtuelle Wallets einzahlen zu dürfen. Doch noch bevor der Artikel im Kongress besprochen wurde, wurde er aus der geplanten Arbeitsmarktreform gestrichen.

Politische Kongress-Entscheidungen machen Bankensektor stärker

Bankenverbände haben diese Woche ihre Lobbyarbeit verstärkt. Sie schickten Briefe an wichtige Senatorinnen und Senatoren, in denen sie gegen Gehaltszahlungen auf digitale Wallets argumentieren.

Sie behaupten, dass digitale Wallets nicht ausreichend reguliert seien, Risiken für das Finanzsystem bergen und die Ausgrenzung vom Finanzsystem verstärken könnten.

Fintech-Unternehmen widersprechen und sagen, solche Aussagen seien nicht richtig. 

Eine neue Studie von Isonomía zeigt außerdem: 9 von 10 Argentiniern möchten selbst entscheiden, wohin ihr Gehalt eingezahlt wird. Besonders bei Selbstständigen und Menschen, die informell arbeiten, ist der Wunsch sehr stark. Die Untersuchung ergab zudem, dass bereits 75 Prozent der Menschen in Argentinien täglich digitale Wallets nutzen.

Am Ende hat sich der Bankensektor durchgesetzt, noch bevor das Gesetz dem Senat zur Abstimmung vorgelegt wurde. Berichten zufolge wurde die Regel entfernt, um das Verhältnis zu Banken nicht zu belasten und die Chancen auf eine endgültige Annahme des Gesetzes zu verbessern.

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